Dr. Martin Fröhlich

Planung einer Individualreise

Übersicht

Während Pauschalreisen zumeist auf „Rundum-Sorglos-Pakete“ setzen, muss der Individualreisende diese Leistungen selbst planen, beauftragen, abrechnen und kontrollieren. Dafür bedarf es der Auswahl einer geeigneten IT-Unterstützung – gewissermaßen dem Handwerkszeug des Individualreisenden – und geeigneter Tools zur Routenplanung, Buchung von Unterkünften und zur Festlegung der touristischen Highlights der Reise.

Handwerkszeug festlegen

Tools für die Reiseplanung

Die Planung einer Individualreise ist ohne das Internet kaum mehr vorstellbar. Für die Informationsbeschaffung benötigt man zumindest die folgenden Programme:

  • für die Routenplanung Google Maps bzw. MyMaps oder ähnliche Programme (ADAC, Hero etc.),
  • für die Hotelsuche Reservierungsprogramme wie booking.com, HRS oder die entsprechende Hotelsuchfunktion von Google Maps,
  • für die Festlegung von touristischen Zielen Reiseblogger, örtliche Seiten der Tourismusverbände oder Tourenanbieter.
 
 
Für die Dokumentation der Reiseplanung nutzt man heute nicht mehr Block und Bleistift, sondern spezielle PC-Anwendungen. Ein normaler Editor oder ein Textverarbeitungsprogramm sind allerdings ungeeignet, da die Planungsunterlagen ohne einen Systembruch als künftige Reiseunterlagen dienen sollen. Daher muss das elektronische Dokumentationswerkzeug folgende Anforderungen erfüllen:
  • Zugriff auf die Dokumente über sämtliche Plattformen (Desktop-PC, Tablet und Smartphone)
  • Synchronisierung über eine Cloud (privat oder öffentlich)
  • Möglichkeit der Offline-Bearbeitung von Dokumenten
  • Einfacher Editor, geeignet auch für Tablet und Smartphone.
 
Es gibt mehrere Tools, die diese Anforderungen erfüllen. In der Microsoft-Office-Suite gibt es das Programm OneNote, diverse Cloud-Lösungen  (z. B. Nextcloud) verfügen über Editoren, die ebenfalls dezentral genutzt werden können. Zudem besteht die Möglichkeit, über die Nutzung von VPN-Diensten wie WireGuard auf den heimischen NAS-Speicher oder die lokal gehostete Cloud-Lösung zuzugreifen. 
 
Bei den Überlegungen über die Wahl des Tools spielt auch der Sitz des Anbieters eine Rolle. Bei vielen Cloud-Anbietern handelt es sich um amerikanische Konzerne, die durch den US-CLOUD Act (2018) verpflichtet sind, Daten auf Anordnung von US-Behörden herauszugeben. 
 

Ich habe mich vor vielen Jahren für das Tool Evernote entschieden, das alle oben genannten Anforderungen erfüllt. Am Beispiel einer Tagesroute durch die Eifel zeige ich die verschiedenen Möglichkeiten, die ich zur Routen- und Tourenplanung nutze.

Windows Desktop der Anwendung Evernote

Die drei Aktivitäten Routenplanung, Hotelsuche und Festlegung der touristischen Ziele sind nur vermeintlich hintereinander auszuführen. Es ist vielmehr ein von gegenseitigen Abhängigkeiten geprägter Regelkreis, der in bestimmten Fällen die Komplexität der Planung deutlich erhöhen kann. Beispiele hierzu an späterer Stelle. 

Das Bild zeigt den Desktop der Windows-Version von Evernote. In der linken Spalte stehen unterschiedliche Ansichtsmodi zur Verfügung, etwa für Favoriten, Notizen, Aufgaben, und den eingebundene Kalender. Die Verwaltung der Dokumente (Notes) folgt in Evernote der Systematik eines papierhaften Archivs. Einzelne Notizen werden in Notizbüchern verwaltet, die wiederum zu einem Notizbuch-Stapel (im Sinne eines Aktenordners) zusammengefasst werden können. 

Ich habe meine vielen Hundert Notizen zu meinen Reisen in der Systematik

Reisejahr (Stapel) → Reise (Notizbuch) → Tagesprogramm (Notiz) 

sortiert. Um eine sinnvolle Sortierung der Notizbücher und Notizen sicherzustellen, erhalten die Notizbücher eine Nummer in der Reihenfolge der Reisen und die Notizen ein vorangestelltes Datum im Format JJJJMMTT. Für Kurzreisen (z. B. Wochenendtrips) verwende ich ein spezielles Notizbuch als Sammler, jede (Kurz-)Reise wird nur durch eine einzige Notiz abgebildet. Auf meine Vorlage für die tägliche Routen- und Streckenplanung gehe ich an späterer Stelle ein.

Reiseroute planen

Am Anfang einer jeden Reise steht die Routenplanung. Es gibt sicherlich Gründe, die für die Verwendung von Landkarten, Textmarkern und Stiften sprechen. Ich bevorzuge Google Maps bzw. die Anwendung MyMaps, mit der benutzerdefinierte Karten auf der Basis von Google Maps erstellt werden können. Voraussetzung für die Verwendung von Google Maps ist ein Google-Account.

Jede Reiseroute besteht aus zwei Bausteinen:

Eine Gesamtplanung, in der die zurückzulegenden Strecken und die Reiseziele pro Tag festgelegt werden (einschließlich Ruhetagen), und Tagesplanungen, in denen die Fahrtstrecken und die Ziele eines jeden Reisetages festgelegt werden. 

In der nachfolgenden Abbildung sind die wesentlichen Eckpunkte einer Planung mit Google MyMaps dargestellt. Als Beispiel habe ich einen Auszug aus der Planung einer Cabriotour durch die Eifel gewählt. 

Karte in MyMaps mit einer Route durch die Eifel
Routenplanung mit Google MyMaps

Über das Startsymbol für die Routenerfassung öffnet sich in MyMaps eine Leiste, in der das Ziel und einzelne Zwischenziele angegeben werden können. Bis zu 10 Einzelziele können je Ebene angegeben werden. Eine Erweiterung ist durch das Hinzufügen einer weiteren Ebene möglich, wobei die Routenführung je Ebene wieder mit dem Buchstaben A beginnt. Die Ebenen sind voneinander unabhängig, sie überlagern sich in der Darstellung vor dem Kartenhintergrund. Über den „Drei-Punkte-Button“ neben der Beschreibung der Ebene kann die detaillierte Wegbeschreibung eingesehen werden, die allerdings an dieser Stelle noch nicht benötigt wird.

Die Erstellung einer individuellen Karte über MyMaps ist mit einigen Einschränkungen für die Routenführung verbunden:

Nicht beeinflussbare Wegführung

In MyMaps kann die Routenführung – anders als bei Google Maps – nicht durch den Anwender beeinflusst werden. Optionen wie „Autobahn vermeiden“ stehen nicht zur Verfügung. Wenn z. B. eine Route durch eine landschaftlich reizvolle Strecke über Nebenstraßen geplant werden soll, ist dies durch die Standardroutenführung von Punkt A nach Punkt B oftmals nicht möglich. In diesen Fällen arbeite ich mit fiktiven Zwischenzielen, um eine Streckenführung abseits des kürzesten oder schnellsten Weges zwischen 2 Orten zu erreichen.

Aktuelle Verkehrs- und Strassensituation

MyMaps bedient sich für die Routenplanung der aktuellen Verkehrssituation von Google Maps. Wer schon einmal im Winter eine Fahrt durch die Schweizer Alpen für den kommenden Sommer geplant hat, weiß, was ich meine. Da im Winter Pässe gesperrt sind, kann die vorgeschlagene Route über Umwege von mehreren, teils hunderten Kilometern führen. Diesen Umstand muss man zunächst akzeptieren und die Routenführung dann im Frühjahr nochmals überprüfen und ggf. anpassen.

Als Ergebnis einer Routenplanung mit MyMaps erhält man eine Karte mit den einzelnen Reisezielen. Für jeden Reisetag erstelle ich eine eigene Karte. In MyMaps erstellte Karten eignen sich nicht nur für Überlandfahrten, sondern können auch für einen Rundgang zu Fuß zu den verschiedenen Sehenswürdigkeiten einer Stadt eingesetzt werden.

Der erste Entwurf der Route ist der Ausgangspunkt für die Hotel- bzw. Übernachtungssuche an den jeweiligen Zielorten.

Unterkünfte suchen

Frühstück vor dem Hotelzimmer

Für die Suche einer Unterkunft gibt es diverse Plattformen im Internet, angefangen von den klassischen Buchungsplattformen wie HRS oder booking.com über die Seiten von Reiseveranstaltern wie TUI, Dertour etc. bis zu sogenannten Vergleichsportalen, die die Preise der verschiedenen anderen Anbieter vergleichen. Die Hotelsuche von Google folgt ebenfalls diesem Konzept der Vergleichsportale.

Die Auswahl einer Unterkunft ist von individuellen Vorlieben abhängig. Bei der Auswahl habe ich mich unter anderem von folgenden Faktoren leiten lassen:

  • Hat die Unterkunft eine akzeptable Bewertung durch andere Gäste bekommen?
  • Steht ein Parkplatz zur Verfügung oder kann das Hotel bei der Parkplatzsuche behilflich sein, z. B. durch Kooperation mit Parkhäusern?
  • Verfügt das Hotel über ein Restaurant, in dem nicht nur ein Frühstück, sondern auch ein Abendessen nach einem langen Reisetag angeboten wird?
  • Verfügt das Hotel über dem Zweck der Reise entsprechende Einrichtungen? Das kann ein Biergarten bei einer Cabriofahrt mit Freunden oder ein SPA-Bereich mit Pool und Sauna bei einem Wellnesswochenende sein.


Die Priorität dieser Faktoren ist zumeist sehr unterschiedlich. Bei der Auswahl einer Unterkunft bei unseren Reisen durch die nordischen Länder Dänemark, Schweden und Norwegen spielt die Auswahl eines Parkplatzes zumeist keine Rolle. Gerade bei Fahrten oberhalb des Polarkreises kann die Suche nach einem Hotel zu erheblichen Routenänderungen führen. Auch die Bedeutung eines Hotelrestaurants, möglichst mit Halbpension, sollte nicht unterschätzt werden, gibt es doch in diesen Regionen meist nur wenige Restaurants zu einigermaßen akzeptablen Preisen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Auswahl des Übernachtungsortes und der Unterkunft ist das touristische Programm. Für eine Reise durch die Toskana dürfen Städte wie Florenz, Siena oder Pisa nicht fehlen. Bei diesen Städten empfiehlt sich aufgrund der eingeschränkten Fahr- und Parkmöglichkeiten eine Unterkunft in Innenstadtnähe. So ist die Einfahrt in historische Zentren in vielen italienischen Städten (z. B. Rom, Mailand, Florenz, Bologna) für Unbefugte untersagt (Zone a Traffico Limitato) und mit drastischen Geldbußen versehen. Ausnahmen gibt es teilweise für Hotelgäste. Die Ausnahmegenehmigung für die Fahrt zum Hotel muss aber vorher durch das Hotel oder den Reisenden beantragt werden.  

Touristische Ziele festlegen

Widmen wir uns nun dem letzten Punkt unserer Reiseplanung, der Festlegung des Besuchsprogramms, genauer gesagt der touristischen Ziele. Diese Aufgaben haben wir größtenteils bereits im Vorfeld der Planung erledigt, indem die großen Städte oder die Hauptsehenswürdigkeiten festgelegt worden sind.

Aber auch die vielen kleineren Orte, Landschaften und geografischen Sehenswürdigkeiten wollen geplant werden. Hierzu nutze ich Reiseführer und Reiseblogs, aber auch die Symbole in Google Maps, die auf lokale Sehenswürdigkeiten hinweisen.

Alle diese Informationen fasse ich in Evernote in meinem Tagesprogramm zusammen. Dies besteht aus einer Überschrift und einer Mustertabelle mit 4 Spalten.

Auszug aus dem Programm Evernote
Vorlage Reiseplanung in einer Evernote Notiz

Die Überschrift enthält das Tagesdatum, Routenanfang und -ende.

In der ersten Zeile ist regelmäßig der Link auf die entsprechende Google-MyMaps-Karte enthalten.

Die Spalten enthalten:

Spalte 1 → Aktivitäten bzw. Zwischenziele
Spalte 2 → Position des Zwischenziels in der mit Google MyMaps erstellten Karte
Spalte 3 → Ungefähre Entfernung zwischen den einzelnen Zwischenzielen 
Spalte 4 → Erläuterungen zum Zwischenziel wie Besonderheiten, Eintrittsgelder 

Wie bereits oben erläutert, enthalten die Zwischenziele auch Wegpunkte, die nur der Streckenführung dienen. Über den Ort „Ochtendunk“ führt eine Nebenstrecke vom Vulkanpark zum Vulkanmuseum, die als landschaftlich reizvoll beschrieben wird. 

Mit der Festlegung der Aktivitäten eines Reisetages ist die Planung zunächst abgeschlossen. Aber wie bereits anfangs erwähnt, ist die gesamte Planung ein rollierender Prozess, der bis zum Abreisetag noch Anpassungen nach sich ziehen kann. Aber das ist bereits Bestandteil der Reisevorbereitung.